
Erneut ist es die Meinungsseite, die in einer amerikanischen Zeitung für Aufruhr innerhalb der Redaktion sorgt. In einem Brief an den Herausgeber des Wall Street Journal, Almar Latour, forderten am Dienstag mehr als 280 Mitarbeiter der Zeitung eine klarere Differenzierung von Nachrichten und Meinungsbeiträgen.
Der Brief äußert Sorgen um die Richtigkeit der Inhalte im Meinungsteil. "Der Mangel an Fact-Checking und Transparenz und das offenbare Missachten von Evidenz beschädigen das Vertrauen unserer Leser und unsere Fähigkeit, Glaubwürdigkeit bei Quellen zu erlangen", heißt es dort. Konkret genannt wird ein Gastbeitrag von US-Vizepräsident Mike Pence über das Coronavirus. Der Text mit dem Titel "Es gibt keine zweite Welle des Coronavirus" sei erschienen, ohne seine Aussagen mit Infektionsdaten der Regierung abzugleichen und erfordere eine Richtigstellung. Ebenso erwähnt der Brief einen Meinungsbeitrag, der systematischen Rassismus in der amerikanischen Polizei als Mythos darstellt. Dieser würde Fakten selektiv präsentieren und fehlerhafte Schlüsse ziehen. Wenn die Zeitung, seinen Diverstitätsinitiativen folgend, "es ernst damit meint, seine Mitarbeiter of Colour besser zu unterstützen, so ist es das Minimum, dass sie die Standards des Meinungsteils so hebt, dass Missinformation über Rassismus nicht veröffentlicht wird."
Darüber hinaus fordern die Autoren des Briefs, Meinungsbeiträge klarer zu kennzeichnen und ihnen voranzustellen, dass sie unabhängig von der Nachrichtenredaktion entstehen. Kolumnen und Meinungstexte sollten auch nicht mehr vermischt mit nachrichtlichen Texten in der Rubrik "Beliebteste Artikel" auf der Webseite und App der Zeitung erscheinen. Weiter sollten Mitarbeiter der Zeitung nicht für das Aufgreifen von Fehlern im Meinungsteil gerügt werden, egal ob das in Artikeln oder auf sozialen Medien geschehe.
Der redaktionsinterne Zwist um Meinungsinhalte im Wall Street Journal, das zum Medienunternehmen von Rupert Murdoch gehört, erinnert an aktuelle Vorfälle in der New York Times. Dessen Meinungschef James Bennet hat Anfang Juni nach der Veröffentlichung eines Gastbeitrags des republikanischen Senators Tom Cotton und großer Kritik in der Redaktion das Haus verlassen. Ebenso verließ die Meinungsredakteurin Bari Weiss die New York Times, und begründete ihren Abgang in einem offenen Brief mit einem illiberalen Meinungsklima in der Redaktion.
July 22, 2020 at 11:52PM
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Sorgen um die Richtigkeit - Süddeutsche Zeitung
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Brief
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